Die Woche voraus:

Markt-Update von Allianz Global Investors

Erste Datenpunkte

Es ist ganz unklar, wie der Konflikt im Nahen Osten weiter verlaufen und wie lange er andauern wird. Wie schnell sich die Lage am Energiemarkt nach Kriegsende wieder normalisiert, lässt sich ebenfalls nur schwer abschätzen. Daher sind die ersten Daten besonders wichtig, die den Ausbruch des Konflikts abbilden.

Im Euroraum haben sich das Konsum- und das Geschäftsklima laut den Umfragen bereits deutlich eingetrübt. Allerdings war die Stimmung im Nachgang der Pandemie über lange Zeit übertrieben pessimistisch, sodass man für ein verlässlicheres Bild eher auf Indikatoren für die tatsächliche Wirtschaftsleistung zurückgreifen sollte. Zu nennen wären beispielsweise die Einkaufsmanagerindizes, die zudem häufig und zeitnah veröffentlicht werden. Die Indizes werden anhand eines Fragenkatalogs erstellt, der z. B. die Aktivität, das Neugeschäft und die Herstellerpreise abdeckt. Die Indizes weisen für jede Frage einzeln aus, welcher Anteil der Unternehmen einen Anstieg bzw. einen Rückgang meldet. Unsere Grafik der Woche zeigt die gewichtete Kennzahl für Auftragseingänge und Herstellerpreise, die sich aus den Einkaufsmanagerindizes für die USA, den Euroraum, Japan und Großbritannien ergibt.

Welche anfänglichen Auswirkungen des Konflikts sind laut den Einkaufsmanagerindizes zu erwarten?

Erwartungsgemäß deuten die Indizes in allen Ländern auf eine Wachstumsverlangsamung hin. Auffälliger ist da schon, dass die Konjunkturabschwächung zu einem großen Teil auf die Entwicklung im Dienstleistungssektor zurückzuführen ist Dies gilt vor allem für Europa, wo der Euroraum und Großbritannien die deutlichste Verlangsamung der Aktivität im Dienstleistungssektor verzeichneten. Auch in den USA war eine Abschwächung im Dienstleistungssektor festzustellen. Im verarbeitenden Gewerbe lag die Aktivität dagegen über den Erwartungen. In den USA stieg der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe an, was auf ein kräftigeres Wachstum hindeutet, und in den anderen Ländern war zwar eine Verlangsamung im verarbeitenden Gewerbe zu verzeichnen, aber die Aktivität verharrte über den Konsenserwartungen. Dies ist unter anderem auf längere Lieferzeiten zurückzuführen, die allerdings nicht nachhaltig für eine robuste Konjunktur sorgen sollten. Außer in den USA gingen die Auftragseingänge zurück, was für eine Aktivitätsverlangsamung im kommenden Monat spricht.

Derzeit dürfte das Wachstum im März den Daten zufolge zwar unter dem Trend gelegen haben, aber noch positiv geblieben sein. Da die Auswirkungen des Energiepreisanstiegs noch nicht in vollem Umfang zu spüren sind, ist eine weitere Konjunkturverlangsamung im zweiten Quartal durchaus möglich.

Daneben zeigt sich deutlich, dass die Unternehmen – ebenfalls nicht überraschend – allgemein steigende Herstellerpreise melden. Dabei ist der Anteil der Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe, die von höheren Preisen berichten, in Großbritannien, dem Euroraum und Japan am höchsten. All diese Länder müssen Energie importieren, und die Entwicklung des stärkeren Preisdrucks entspricht dem, was zu erwarten ist. In den USA sind die Herstellerpreise aufgrund der Zölle bereits im vergangenen Jahr gestiegen. Zusammen mit dem Handelsbilanzüberschuss der USA bei Ölprodukten erklärt dies, warum der zusätzliche Preisdruck durch den Energiepreisanstieg in den USA bislang schwächer ausfällt.

Aus Sicht der wichtigen Zentralbanken dürften die Einkaufsmanagerindizes wohl die allgemein erwartete Richtung der Entwicklungen bestätigen, ihnen aber nicht mehr Klarheit bei dringend anstehenden Entscheidungen verschaffen. Nach den jüngsten Sitzungen haben einige Zentralbanken detailliert ausgeführt, mit welchen Wachstums- und Inflationsentwicklungen sie in unterschiedlichen Energiepreisszenarien rechnen. Dies gilt insbesondere für die Europäische Zentralbank (EZB). Aus unserer Sicht werden die Zentralbanken wahrscheinlich unterschiedlich auf den Energiepreisanstieg reagieren. Insbesondere die europäischen Zentralbanken haben deutlich klargestellt, dass sie vermeiden wollen, dass die Inflation erneut längerfristig vom Zielwert abweicht. An dieser Haltung dürften die jüngsten Daten nichts geändert haben. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) dagegen scheint geduldiger zu sein, zumal die US-Inflation nicht so stark überschießt und das schwache Beschäftigungswachstum Anlass zur Sorge gibt.

PMI: Auftragseingänge und Einkaufspreise im verarbeitenden Gewerbe – gewichtet: USA, Eurozone, Japan, Großbritannien
Ergebnis der Unterhauswahlen in Japan

Quelle: Bloomberg, Stand: März 2026.

Die Woche voraus

Nach der Vorabschätzung der Einkaufsmanagerindizes werden in der kommenden Woche einige wichtige Wirtschaftsindikatoren veröffentlicht, die Aufschluss über den Umfang einer möglichen Konjunkturverlangsamung nach dem Konfliktausbruch im Nahen Osten geben können. In den USA stehen die Beschäftigungs- und Arbeitslosenzahlen für März sowie die ISM-Umfragen und Zahlen zu freien Stellen im Februar an. Bei den Arbeitsmarktdaten ist seit Jahresbeginn ein gewisses Rauschen zu erkennen; bei den Beschäftigungszahlen dürfte im März eine gewisse Erholung nach dem Rückgang im Februar zu erkennen sein, wobei der Trend aber weiterhin schwach sein dürfte.

Im Euroraum dürfte die Stimmungsumfrage der Europäischen Kommission zum Geschäftsklima einen ähnlichen Rückgang ausweisen wie die Umfrage zum Verbrauchervertrauen. Der vorläufige VPI für März wird die anfänglichen Effekte des Energiepreisanstiegs in Europa widerspiegeln und voraussichtlich auf etwa 2,5% klettern.

In Japan dürfte der März-VPI für Tokio vom Energiepreisanstieg beeinflusst werden und höher ausfallen als im vergangenen Monat (1,6%). Die Tankan-Umfrage für das erste Quartal wird Aufschluss über die Stimmung bei den japanischen Unternehmen geben, und Arbeitslosenzahlen und Einzelhandelsumsätze runden das makroökonomische Bild ab.

In Großbritannien dürften die endgültigen BIP-Daten für Q4 die Konjunkturschwäche zum Jahresende 2025 bestätigen, und Umfragen zu den Preiserwartungen der Unternehmen und Verbraucher dürften für die Bank of England sehr aufschlussreich sein.

Ihr

Sean Shepley
Senior Economist

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