AllianzGI Hausmeinung Q4 2026: Erneute Wachstumsdynamik stützt Risikoanlagen, trotz höherer Zinsen
30.09.2026 | Allianz Global Investors (AllianzGI) zufolge bietet das Investment-Umfeld zu Beginn des Jahresschlussquartals 2026 insgesamt günstige Voraussetzungen für Anleger, die selektiv und diversifiziert vorgehen. Zwar liegt die Inflation weiterhin über den Zielwerten der Zentralbanken und gebieten geopolitische Risiken Vorsicht. Gleichwohl startet die Weltwirtschaft mit neuer Dynamik in das vierte Quartal, unterstützt durch ein robustes Wachstum, eine zunehmende Zuversicht in den Unternehmen und anhaltende Unternehmensinvestitionen.
Wie aus dem aktuellen House View Q4 2026 hervorgeht, deuten die Wirtschaftsindikatoren nach einer vorhergehenden Schwächephase für die Weltwirtschaft auf einen stärkeren Jahresausklang hin. In den USA findet diese Beschleunigung von einer soliden Ausgangsbasis aus statt, Europa entwickelt sich weiterhin besser als erwartet und China könnte zu einer Wirtschaftserholung ansetzen. Dabei werden die Fundamentaldaten durch starke Unternehmensgewinne gestützt, insbesondere in Bereichen rund Künstliche Intelligenz (KI), Elektrifizierung und Infrastrukturinvestitionen.
Zentrale Herausforderung für die Geldpolitik bleibt die Inflation. Wenngleich der Preisauftrieb gegenüber vorhergehenden Höchstständen nachgelassen hat, sprechen energiepreisbedingte Teuerungseffekte und eine robuste Nachfrage dafür, dass die Inflation in den meisten Industrieländern über den Zielwerten der Zentralbanken verharren wird. Die Arbeitsmärkte kühlen sich zwar vielerorts allmählich ab, sind insgesamt jedoch weiterhin solide und stützen damit Konsumausgaben und Wirtschaftswachstum. Mit Blick auf den geldpolitischen Kurs sollten Anlegerinnen und Anleger zudem geopolitische Spannungen, die Energiepreis-Volatilität, Fragen hinsichtlich der Unabhängigkeit von Zentralbanken sowie die bevorstehenden US-Zwischenwahlen im Auge behalten.
Vor diesem Hintergrund erwartet AllianzGI, dass die großen Zentralbanken an ihrem monetären Straffungskurs festhalten werden. Nach den Zinserhöhungen im September ist sowohl bei der US-Notenbank Federal Reserve als auch bei der Europäischen Zentralbank noch vor Jahresende mit einem weiteren Schritt um 25 Basispunkte zu rechnen. Derweil dürfte die Bank of Japan ihren graduellen Normalisierungskurs fortsetzen. Die Bank of England hingegen sieht sich mit einem Spannungsfeld gegenläufiger wirtschaftlicher Kräfte konfrontiert und dürfte die Leitzinsen daher unverändert belassen.
Aktien: KI-Wertschöpfungskette und Elektrifizierung als Treiber
Mit Blick auf Aktieninvestments kommentiert Dr. Michael Heldman, CIO Equities: „Die Investmentchancen im Bereich Künstliche Intelligenz gehen inzwischen deutlich über Halbleiter hinaus und umfassen zunehmend die gesamte Infrastruktur, die den breiten KI-Einsatz ermöglicht. Die Nachfrage nach optischen Interconnect-Lösungen, fortschrittlichen Materialien und Energiesystemen steigt, gleichzeitig profitiert die Elektrifizierung weiterhin von der Expansion von Rechenzentren und Infrastrukturinvestitionen.“
Bei einer regionalen Betrachtungsweise und mit Blick auf die verschiedenen Investmentstile hebt Michael Heldmann zusätzlich hervor: „In Asien sehen wir für Anleger Opportunitäten bei Hardwarezulieferern, im chinesischen KI-Ökosystem sowie in der konsumgetriebenen Wachstums-Story Indiens. Japan profitiert weiterhin von wachstumsfördernden politischen Maßnahmen und von Reformen bei der Unternehmensführung. Jenseits des KI-Themas bieten Value-Aktien eine attraktive Diversifikationsquelle. Sie weisen aus unserer Sicht mitunter überzeugende Bewertungen und spezifische Sektor-Exposures auf, die einen Kontrapunkt zu den populären KI-, Momentum und langfristig orientierten Wachstumsstrategien setzen können.“
Anleihen: Versteilung der Zinsstrukturkurven, Suche nach Zinsaufschlägen
Jenny Zeng, CIO Fixed Income, kommentiert die Anleihemärkte: „Wir sehen aktuell Chancen über das gesamte Anleihespektrum hinweg, da sich die Renditekurven in den USA, Deutschland und Australien versteilen dürften. US-TIPS, also inflationsindexierte US-Anleihen, profitieren dabei von anhaltendem energiepreisgetriebenem Inflationsdruck und attraktiven Realrenditen. Bei Staatsanleihen bevorzugen wir am kurzen Laufzeitende deutsche Bundesanleihen, am langen Ende britische Gilts. In den Schwellenländern favorisieren wir Anleihen ölexportierender Staaten sowie ausgewählte Lokalwährungsanleihen aus Brasilien und Ungarn.“
„Im Unternehmensanleihe-Bereich bleibt Carry, also der Zinsaufschlag, der wichtigste Renditetreiber. Im aktuellen Umfeld präferieren wir Finanzwerte, nichtzyklische Konsumgüterunternehmen und ausgewählte KI-bezogene Emittenten. Im Währungsbereich nehmen wir mit Blick auf den US-Dollar eine weitgehend neutrale Haltung ein und bevorzugen prozyklische und hochverzinsliche Währungen.“
Multi Asset: Attraktivität von Aktien, Schwellenländeranlagen und Rohstoffen
Mit Blick auf die relative Attraktivität der Anlageklassen kommentiert Gregor M.A. Hirt, CIO Multi Asset: „Wir behalten unsere Übergewichtung in Aktien bei, wobei wir am stärksten von Schwellenländeraktien überzeugt sind, gefolgt von Japan, den USA und Europa. Unterstützt wird dies durch ein robustes Gewinnwachstum, positive Gewinnrevisionen und anhaltende KI-bezogenen Investitionen. Gleichzeitig bieten Robotik, Biotechnologie und Goldminen attraktive thematische Chancen. Im Anleihebereich sehen wir Wertpotenzial bei Schwellenländeranleihen, insbesondere aus energieexportierenden Ländern. Darüber hinaus haben wir eine gewisse Präferenz für qualitativ hochwertige Investment-Grade-Unternehmensanleihen. Bei Staatsanleihen aus den entwickelten Ländern hingegen bleiben wir neutral bis vorsichtig und bevorzugen dabei europäische Staatsanleihen – Ausnahme Frankreich, wegen der Risiken im Zusammenhang mit den nächstjährigen Präsidentschaftswahlen. Zudem bleiben wir positiv eingestellt für Gold und Rohstoffe, da Anleger angesichts fiskalischer Risiken, Angebotsengpässen und eines angespannten Energiemarktes nach Diversifikationsmöglichkeiten suchen.“
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